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:* Stromversorgung: '''USB Type-C (5 V/1 A)'''
:* Stromversorgung: '''USB Type-C (5 V/1 A)'''


''Für verbindliche Angaben siehe die [[https://that-docs.readthedocs.io/en/latest/|offizielle Dokumentation]] von anabrid.''
''Für verbindliche Angaben siehe die [[https://that-docs.readthedocs.io/en/latest/ | offizielle Dokumentation]] von anabrid.''


=== Anbindung an digitale Systeme ===
=== Anbindung an digitale Systeme ===

Version vom 17. September 2026, 10:43 Uhr

THE ANALOG THING (THAT)

THE ANALOG THING (THAT) ist ein Open Hardware-Analogrechner der Berliner Firma anabrid GmbH. Statt mit Bits zu rechnen, nutzt er kontinuierliche Spannungen als Rechengrößen – eine Variable im mathematischen Modell entspricht direkt einer Spannung am Gerät. Das macht dynamische Systeme wie Schwingkreise oder Regelstrecken sofort sichtbar und interaktiv: Ein Drehen am Potentiometer verändert das System in Echtzeit, ohne Neustart oder Warten auf eine Simulation.

Warum Analogrechnen?

Digitale Computer lösen Differentialgleichungen durch Diskretisierung: Sie zerlegen das Problem in kleine Schritte, iterieren und hoffen auf Genauigkeit. THAT geht einen anderen Weg: Physikalische Bauelemente (z. B. Kondensatoren in Integratoren) sind bereits die mathematischen Operationen. Das hat Vorteile:

  • Keine Diskretisierungsfehler: Kein Kompromiss zwischen Genauigkeit und Rechenzeit.
  • Echte Echtzeit: Änderungen sind sofort sichtbar – ideal für Experimente.
  • Fehler werden sichtbar: Rauschen, Toleranzen oder Drift zeigen sich direkt am Oszilloskop.

Gleichzeitig gibt es Grenzen: THAT ist kein Präzisionswerkzeug, sondern ein pädagogisches Experimentiergerät – sein Wert liegt im Verständnis, nicht in exakten Zahlen.

Aufbau und Komponenten

THAT nutzt Operationsverstärker-Schaltungen für grundlegende Rechenoperationen:

  • 5 Integratoren (zeitliche Integration, umschaltbare Zeitkonstanten)
  • 4 Summierer (Addition mehrerer Spannungen, invertierend)
  • 4 Inverter (Vorzeichenumkehr)
  • 2 Multiplikatoren (Produkt zweier Spannungen für Nichtlinearitäten)
  • 2 Komparatoren (Vergleich zweier Spannungen → digitales Signal)
  • 8 Koeffizienten-Potentiometer (Einstellung von Faktoren 0…1; im COEFF-Modus zeigt das Panel-Meter den genauen Wert des ausgewählten Potis an)

Die Bausteine sind über ein Patchfeld mit 2-mm-Buchsen zugänglich. Mit den enthaltenen Patchkabeln lassen sich Schaltungen frei verbinden – das „Programmieren“ des Analogrechners.

Betriebsmodi

  • IC (Initial Condition): Setzen der Anfangswerte
  • OP (Operate): Aktives Rechnen
  • HALT: Anhalten, Momentanwerte bleiben messbar
  • REP (Repetitive): Zyklische Wiederholung für stehende Oszilloskopbilder

Technische Daten (Richtwerte)

  • Abmessungen: ca. 24,1 × 20,3 × 3,7 cm
  • Gewicht: ca. 630 g
  • Interner Arbeitsbereich: ±10 V, typische Nutzsignale an den Ausgängen X/Y/Z/U: ±1 V
  • Genauigkeit: Bauteiltoleranzen und Drift im Bereich von 1–2 %, Bandbreite bis ca. 100 kHz
  • Stromversorgung: USB Type-C (5 V/1 A)

Für verbindliche Angaben siehe die [| offizielle Dokumentation] von anabrid.

Anbindung an digitale Systeme

THAT lässt sich über einen Hybridport mit Digitalrechnern (z. B. Raspberry Pi, Arduino, PC mit Messkarte) verbinden. So entstehen Hybrid-Systeme:

  • Der Analogrechner übernimmt die kontinuierliche Simulation.
  • Der Digitalrechner steuert Parameter, speichert Messwerte oder visualisiert Ergebnisse.

Mehrere THAT-Geräte können über MASTER-/MINION-Ports vernetzt werden, um komplexere Systeme aufzubauen.

Benötigte Zusatzhardware

Für den Einstieg reichen:

  • Ein tragbares Mehrkanal-Oszilloskop (mind. 2 Kanäle, Bandbreite >100 kHz) zur Visualisierung
  • Ein USB-C-Netzteil (5 V/1 A)

Hinweis: Keine Überspannung >±10 V anlegen! Massebezug beachten. Ein batteriebetriebenes Oszilloskop oder ein USB-Scope am Notebook vermeidet Brummschleifen durch Erdschleifen.

Einsatzbereiche

THAT eignet sich besonders für:

  • Informatik: Alternative Rechenparadigmen, Hybrid-Computing
  • Mathematik/Physik: Anschauliche Lösung von Differentialgleichungen (z. B. harmonischer Oszillator, Lorenz-Attraktor, Van-der-Pol-Oszillator) oder Regelkreisen
  • Bildung: Vermittlung analoger Rechenprinzipien – die physische Verdrahtung ist die Gleichung
  • Forschung/Neuromorphic Engineering: Nachbildung von Neuronenmodellen (z. B. Perceptron, Leaky-Integrate-and-Fire)

Grenzen

THAT ist kein Präzisionswerkzeug für Engineering, sondern ein pädagogisches Experimentiergerät:

  • Er rechnet mit realen Spannungen – inklusive Rauschen, Bauteiltoleranzen (1–2 %) und Temperaturdrift.
  • Für hochpräzise Berechnungen oder komplexe Algorithmen sind digitale Systeme überlegen.
  • Sein Wert liegt im Verständnis dynamischer Systeme und der unmittelbaren, visuellen Rückkopplung.

Open Hardware

THAT ist ein Open-Hardware-Projekt. Alle Unterlagen (Schaltpläne, Gerber-Dateien, Stücklisten) sind auf [[1]] frei verfügbar. Das ermöglicht:

  • Verständnis: Nachvollziehen, wie die Schaltung funktioniert.
  • Reparatur: Defekte Bauteile selbst austauschen.
  • Modifikation: Platinen anpassen oder erweitern.

Realistische Einschätzung: Der Selbstbau eines THAT lohnt sich nicht zum Kostensparen – die Beschaffung der Präzisionsbauteile (z. B. Analogmultiplizierer AD633) ist aufwendig und teuer. Für die meisten Maker ist das fertige Gerät die bessere Wahl.

Alternativen und Eigenbau

Für Maker, die einen Analogrechner selbst aufbauen möchten:

Einschätzung: Eigenbau lohnt sich nur für Enthusiasten mit Erfahrung in Analogtechnik und Platinenfertigung.

Verfügbarkeit

THAT kostet 499 € inkl. MwSt. (Stand September 2026, aktueller Preis im https://shop.anabrid.com/). Für Schulen, Hochschulen und Lehrkräfte gibt es einen Bildungstarif von 450 €. Bisher wurden über 1.400 Geräte verkauft.

Weiterführende Informationen